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Ein kleiner Erfahrungsbericht!

Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung

Ein kleiner Erfahrungsbericht!

Beitragvon Priya78 » 29.09.2009, 21:31

So, dann will ich mal anfangen mich hier im Forum einzubringen.

Wie gesagt, ich habe drei Kinder und bin alleinerziehend.

Mein Sohn ( mittlerweile 9 Jahre ) wurde im Mai diesen Jahres auf ADHS getestet und es hat sich bestätigt. Davor hatte ich immer Angst. Klar war mir seit dem er drei Jahre alt war, das er "quirlig" ist und sehr aktiv. Er hatte vor ncihts Angst. Hat er heute auch nciht. Nichts war ihm zu hoch. Alles fing damit an, das er seine kleine Schwester, die zu dem Zeitpunkt 6 Monate alt war, sammt Kinderwagen, die Kellertreppe runtergestoßen hat. Seine Worte werde ich nie ganz vergessen können. "Ich will keine kleine Schwester. Bring die wieder weg." Ich habe es als Eifersucht unter Geschwistern abgetan. Doch irgendwie brauchte er mehr aufmerksamkeit, als die beiden Mädchen. Und diese Aufmerksamkeit, konnte ich ihm nciht immer geben, da die kleine unter Atemproblemen und später unter Pseydokrupp litt.
Wenn ihr jetzt denkt, es kann doch kaum etwas schlimmeres geben, täuscht ihr euch. Calvin war vier einhalb Jahre alt, als er morgens im Schlafzimmer stand und sagte: "Mama, mein Licht brennt richtig hell." Ich war noch föllig verschlafen, doch schnell wurde mir klar, das er nicht sein Nachtlicht meinte. Er hatte in seinem Zimmer ein Feuer gelegt. Wie er an das Feuerzeug gekommen ist, frage ich mich bis heute, denn die habe ich immer auf den Wohnzimmerschrank gelegt. Es ist nicht viel passiert, weil ich noch rechtzeitig eingreifen konnte, aber der Schreck saß tief. ( seitdem fasst er kein feuerzeug mehr an, oder er bringt es mir sofort. )
Ein Jahr später hat mein Sohn mich allerdings richtig geschockt, und wenn man so will, hat er mich auch auf eine Weise wachgerüttelt. Es kam mal wieder zum Streit zwischen dem Kindsvater und mir. Ein Wort gab das andere. Mein Sohn bekam das alles mit. Auch wie der Vater ausgeholt hat. Keine fünf Minuten später stand er mit dem großen Brotmesser schützend vor mir und sagte nur: "Wenn du meiner Mama noch einmal weh tust, stech ich dich ab." Das war für mich das Zeichen, das sich einiges ändern musste. Ich habe mich von meinem Mann getrennt und versucht für meinen Sohn Hilfe zu bekommen. Leider bekam ich die nicht. Die Aussagen des Arztes waren eindeutig. "Es könnte ein Fall von ADHS sein, aber sicher testen kann man das erst, wenn er 8 Jahre alt wäre. Therapie vorab wäre nciht möglich."
Hilfe bekam ich erst, durch meinen damaligen Lebensgefährten. Er hatte mit seinem Sohn ähnliche Probleme und hat mir Tricks verraten, wie ich damit am besten umgehen musste. Denn zu der Zeit ging Calvin auch auf mich los. Immer wieder bekam er Wutanfälle, wo er nicht an sich halten konnte. Meine Schienbeine sahen dementsprechend aus. Er hat es sogar geschaft ein Hochbett zu zerlegen.
Wie dem auch sei. Calvin wurde eingeschult und innerhalb der ersten drei Wochen musste ich gleich zweimal zur Schule. Einmal ist er auf einen 4 klässler losgegangen und hat ihm eine blutige Nase geschlagen, und beim zweiten mal auf eine Betreuerin. So ging es immer weiter. Er fing an, den Unterricht maßiv zu stören, zerknüllte Arbeitsblätter und "zerlegte" sein Arbeitsmaterial. Da er durch seine auffällige Art schwierigkeiten bekam mit dem lesen, wurde er auf LRS getestet. Positiv. Obwohl, kann man von Positiv reden, wenn er nach 15 Minuten den Test beukotiert hat? Ich denke nicht. WIr zogen um und ich bestand darauf, das Calvin die erste Klasse wiederholen sollte. Auch in der neuen Schule gab es immer wieder Probleme. Die Klassenlehrerin war fast soweit, den Jungen "abzuschieben".
Seitdem ich nun weiß, das Calvin ADHS hat, kann ich besser auf ihn eingehen. Der Arzt sagte mir, wir müssten mit Medikamenten arbeiten. Ich war hin und hergerissen. Ritalin ja nein? Oder doch etwas anderes? Und wenn ja, was ist da am besten? Mein Exmann/Kindsvater war völlig gegen die Behandlung. Ich habe mich nochmals mit dem Arzt unterhalten, habe mir Pro und Contra angehört. Nun bekommt mein Sohn seit August Medikinet retard 20mg. Und ich muss sagen, es hat sich einiges geändert.
Calvin hat nur noch ganz selten Wutanfälle und wenn, halten die sich im Rahmen eines "normalen" kindes. Er kommt in der Schule besser mit, kann sich voll auf den Unterricht konzentrieren. In den letzten 8 Wochen Schule hat er mir schon zweimal einen Mathetest mitgebracht. Und was soll ich sagen... Null Fehler. Er ist zufrieden mit seiner Leistung, die Klassenlehrerin ist begeistert. Sie hat gesagt, dass er sich um 180 Grad gedreht hat.
Bis jetzt kann ich sagen, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe. Zusätzlich fangen wir jetzt noch mit Ergo an. Und sobald ich bei einem Therapeuten einen Termin bekommen kann, werden wir das machen. Leider sind die Wartezeiten momentan noch arg lang. Ein halbes Jahr. Aber ich werde nicht aufgeben.
Priya78
 

Re: Ein kleiner Erfahrungsbericht!

Beitragvon salome » 29.09.2009, 22:19

da hast du schon viel schlimmes erlebt, hast einen weg gefunden und dir die liebe zu deinem kind bewahrt. das ist das wichtigste...dass du immer an dein kind glaubst und es niemals aufgibst. du hast einen harten weg gemeistert und dafür bewundere ich dich aufrichtig!!
salome
 

Re: Ein kleiner Erfahrungsbericht!

Beitragvon Andrea » 29.09.2009, 22:44

salome hat geschrieben:da hast du schon viel schlimmes erlebt, hast einen weg gefunden und dir die liebe zu deinem kind bewahrt. das ist das wichtigste...dass du immer an dein kind glaubst und es niemals aufgibst. du hast einen harten weg gemeistert und dafür bewundere ich dich aufrichtig!!

da kann ich mich nur anschliessen,ich weis aus eigenen erfahrung wie das oft an den nerven zerrt aber die kinder müssen merken man hält sie aus und wenn du nun fachl. hilfe hast wird es auch für dich um einiges leichter
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Re: Ein kleiner Erfahrungsbericht!

Beitragvon Milka » 30.09.2009, 11:20

ich schließe mich meinen vorrednerinnen an und ziehe meinen hut vor dir..... ich bin mit meinem großen auch in behandlung wegen verdacht auf adhs ..... es kommt mir vor als wenn diese est ewig dauern...... in zwei monaten ca haben wir das"auswertungsgespäch"......naja ganz so schlimm äußert es sich bei uns nicht.... er ist eher total verträumt vergisst alles und manchmal kommt esmir vor als würde er in seiner eigenen welt leben .... man kann echt hundertmal was sagen ...nix pasiert..... und es ist ihm auch egal wenn ich daraus dann meine konsiquenzen ziehe ..... mitlerweile steht der dreifirtelste teil seinen spielzeugs im büro weil er einfach monate lang nicht aufräumt und man sich echt halb den hals bricht wenn man in das zimmer will .... er kann sich auf nix konzentrieren ..... es ist echt anstrengend.... und kostet sehr viel kraft ..... aber auch ich hoffe das es besser wird und geb nicht auf ......
Milka
 

Re: Ein kleiner Erfahrungsbericht!

Beitragvon salome » 30.09.2009, 19:30

es gibt einen spruch, der sehr gut auf die situation von ads betroffenen kindern zutrifft:
"liebe mich, wenn ich es am wenigsten verdiene, denn dann brauche ich es am meisten"
in diesem sinne ...behaltet die liebe zu euren kindern tief im herzen, sie sind etwas ganz besonderes man muss nur ihre talente erkennen und fördern.
Zuletzt geändert von salome am 30.09.2009, 22:33, insgesamt 1-mal geändert.
salome
 

Re: Ein kleiner Erfahrungsbericht!

Beitragvon Milka » 30.09.2009, 19:40

das hast du echt süß gesagt.... ich nehms mir zu herzen
Milka
 

Re: Ein kleiner Erfahrungsbericht!

Beitragvon Priya78 » 12.10.2009, 19:05

Ich sage mir immer, wenn es wieder ganz schlimm wird, er ist so, wie er ist und trotzdem liebenswert. Momentan kommt er oft an und möchte einfach nur kuscheln. Ich merke förmlich, wie er diese kurzen Momente genießt. Auch schulisch ist er viel besser geworden. Ich bin richtig stolz auf meinen kleinen "Raufbold".
Und ich habe noch etwas eingeführt. Am Wochenende gehören ihm ganz allein zwei Stunden mit Mama. Meistens will er dann raufen und rumbalgen. Mich stört es nicht, solang es "harmlos" bleibt. Wird er zu wild, dann sage ich es ihm auch und er versteht es.
Priya78
 


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